Open Source und freie Software – Entwicklung, Überzeugungen und Unterschiede zu Closed Source

Die Welt der Software ist von zwei grundlegenden Modellen geprägt: freie und offene Software auf der einen Seite und proprietäre, geschlossene Software auf der anderen. Beide Ansätze haben ihre Wurzeln in unterschiedlichen Überzeugungen und Zielen. Für Bürgerinnen und Bürger, für Verwaltungen und auch für Unternehmen ist es daher wichtig, die Unterschiede zu verstehen, um souveräne Entscheidungen treffen zu können.
Entwicklung von Open Source und freier Software
Die Idee freier Software entstand in den 1980er-Jahren, maßgeblich geprägt von Richard Stallman und der Free Software Foundation (FSF). Im Zentrum stand die Überzeugung, dass Nutzerinnen und Nutzer die Freiheit haben sollten, Software einzusehen, zu verändern und weiterzugeben. Daraus entwickelte sich später der Begriff Open Source, der in den 1990er-Jahren von der Open Source Initiative (OSI) eingeführt wurde. Während die „freie Software“ stärker ethisch-gesellschaftlich argumentiert („Freiheit, nicht Preis“), betont Open Source eher die praktischen Vorteile wie Transparenz, Sicherheit und Zusammenarbeit.
Über Jahrzehnte hinweg hat sich aus dieser Bewegung ein beeindruckendes Ökosystem entwickelt: Linux-Betriebssysteme, das Webserver-Programm Apache oder Datenbanken wie PostgreSQL sind Beispiele für Projekte, die heute das Rückgrat des Internets bilden. Auch Anwendungen wie Firefox oder LibreOffice sind bekannte Vertreter dieser Idee.
Motivation und Überzeugungen
Die Motivation hinter freier und offener Software ist vielfältig:
- Freiheit und Selbstbestimmung: Nutzerinnen und Nutzer sollen selbst entscheiden können, wie sie Software einsetzen und verändern.
- Transparenz und Sicherheit: Durch den offenen Quellcode sind Fehler oder Sicherheitslücken leichter zu erkennen und zu beheben.
- Gemeinschaft und Zusammenarbeit: Viele Projekte entstehen durch eine weltweite Community, die ihr Wissen teilt und gemeinsam weiterentwickelt.
- Unabhängigkeit von Konzernen: Offene Software reduziert die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern und deren wirtschaftlichen Interessen.
Damit steht freie Software auch in engem Zusammenhang mit dem Gedanken der digitalen Souveränität – also der Fähigkeit, die eigene digitale Infrastruktur selbstbestimmt zu gestalten.
Das Modell von Microsoft und Closed Source
Demgegenüber steht das Modell proprietärer Anbieter wie Microsoft, Apple oder anderer großer Softwarehersteller. Bei Closed Source ist der Quellcode geheim und darf weder eingesehen noch verändert werden. Nutzerinnen und Nutzer sind auf die vom Hersteller vorgegebenen Funktionen angewiesen und müssen sich nach dessen Lizenz- und Preisgestaltung richten.
Microsoft Windows oder Microsoft Office sind typische Beispiele. Sie bieten ausgereifte Produkte und professionelle Unterstützung, binden aber die Anwenderinnen und Anwender eng an das jeweilige Ökosystem. Damit entsteht eine Abhängigkeit – etwa wenn Dokumente nur in proprietären Formaten gespeichert werden können oder wenn die Nutzung an ein Abonnementmodell gekoppelt ist.
Unterschiede und Vorteile von freier und Open Source Software
Die Unterschiede lassen sich klar zusammenfassen:
- Zugänglichkeit: Offene Software ist frei einsehbar und veränderbar, geschlossene Software bleibt im Besitz des Herstellers.
- Lizenzmodell: Open Source wird meist kostenfrei oder gegen geringe Gebühren verteilt, proprietäre Software ist in der Regel kostenpflichtig.
- Unabhängigkeit: Freie Software stärkt die Selbstbestimmung, während Closed Source zur Herstellerabhängigkeit führen kann.
- Sicherheit: Durch offene Prüfung können Schwachstellen schneller gefunden werden. Bei Closed Source hängt alles vom Hersteller ab.
- Weiterentwicklung: Open Source lebt von der weltweiten Gemeinschaft. Closed Source entwickelt sich nur in dem Tempo und in die Richtung, die der Hersteller vorgibt.
Gerade für Verwaltungen und öffentliche Einrichtungen bieten freie Lösungen langfristige Vorteile: geringere Kosten, größere Transparenz und die Möglichkeit, Systeme an die eigenen Bedürfnisse anzupassen.
Beispiele aus deutschen Verwaltungen
Auch in Deutschland gewinnt der Einsatz von Open-Source-Software zunehmend an Bedeutung:
- Bundesverwaltung: Mit der Initiative „Open Source in der Verwaltung“ setzt die Bundesregierung verstärkt auf offene Software und veröffentlicht eigene Projekte auf der Plattform gitlab.opencode.de.
- Stadt München: Nach einem Zwischenstopp bei Microsoft-Produkten setzt München erneut auf Open Source, insbesondere auf LibreOffice und Linux-basierte Systeme.
- Stadt Köln: Betreibt die Plattform „Stadt Köln GitHub“, auf der Fachverfahren und Werkzeuge für den kommunalen Einsatz frei verfügbar gemacht werden.
- Land Schleswig-Holstein: Hat beschlossen, Microsoft Office schrittweise durch LibreOffice zu ersetzen und setzt langfristig auf freie Software, um Abhängigkeiten zu reduzieren.
- Dataport (norddeutscher IT-Dienstleister): Entwickelt mit Phoenix eine Open-Source-Lösung für kollaboratives Arbeiten (als Alternative zu Microsoft 365).
Diese Beispiele zeigen, dass Open Source nicht nur eine theoretische Idee ist, sondern bereits heute aktiv in deutschen Verwaltungen eingesetzt wird – besonders auch in Norddeutschland.
Begriffe kurz erklärt
- Quellcode
- Menschlich lesbarer Programmtext, aus dem Software erstellt wird.
- Lizenz
- Rechtliche Regelung, die bestimmt, wie Software genutzt, verändert und weitergegeben werden darf.
- Free Software Foundation (FSF)
- Organisation, die sich für die Freiheit der Software-Nutzer einsetzt.
- Open Source Initiative (OSI)
- Organisation, die die Idee von Open Source fördert und Lizenzen prüft.
- Digitale Souveränität
- Fähigkeit von Individuen oder Organisationen, digitale Werkzeuge und Daten selbstbestimmt zu kontrollieren.
- Proprietär/Closed Source
- Software, deren Quellcode geheim ist und die nur nach den Regeln des Herstellers genutzt werden darf.
